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Sibylle Berg: Wie halte ich das nur alles aus?
5 Millionen Spiegel-Leser können nicht irren. Jede Woche beantwortet Sibylle Berg fundamentale Fragen des Lebens. Nun legt sie ihre definite Benimm- und Überlebensfibel vor. Fragen, die man nicht zu stellen wagte, werden endlich in schonungsloser Offenheit beantwortet: „Ist es eigentlich noch cool in die Provence zu reisen?“, „Kann ich mit 46 Jahren die Haare noch lang und offen tragen?“, „Warum ziehen sich Frauen für Herrenmagazine aus?“. Bissig, ironisch und skrupellos beleuchtet eine der scharfzüngigsten literarischen Stimmen in Deutschland die drängendsten Belange unserer Zeit. Sibylle Bergs Texte machen nachdenklich, sie schockieren und sie verzaubern.
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Sibylle Berg: Vielen Dank für das Leben
“Es ist das bisher härteste und hoffnungsloseste Buch der deutschen Autorin, auch wenn sie selbst das nicht so sehen will. Sich durch die fast 400 Seiten der Lebensgeschichte des geschlechtslosen Toto zu kämpfen, der bis zur Seite 244 als „er“ und nach einer Geschlechtsumwandlung nur mehr als „sie“ bezeichnet wird, verlangt starke Nerven oder zumindest etwas so seelentröstendes wie heißen Tee, Schokolade oder einen lieben Menschen in der Nähe. Durchhalten lässt einen die unprätentiöse Sprache von Berg; diese Sätze, die nichts Liebliches an sich haben, niemanden wärmen wollen, aber Klarheit schenken. Es sind hunderte kleine Wahrheiten und unbeantwortete Fragen, die die Autorin dem Leser an den Kopf schleudert; und nur weil Berg-Kennern viele Elemente dieser harten, pessimistischen Zeitkritik aus ihren früheren Werken bekannt erscheinen werden, ist diese nicht weniger treffend formuliert.[...]
Die Hauptfigur wird in den sozialistischen Teil „eines nordeuropäischen Landes“ geboren, der sich unschwer als DDR identifizieren lässt. Später verschlägt es ihn durch Zufall kurz vor der Wiedervereinigung in den Westen, wo er zuerst unter Hippies, später in einem Obdachlosenheim lebt. Totos Lebensgeschichte ist auch eine Zeitreise durch ein zu jeder Zeit hässliches und schlechtes Deutschland, egal ob vom Kommunismus oder Kapitalismus geprägt. Auch der Westen hält für Toto und seine Mitmenschen kein besseres Leben bereit. Dort wird er Untermieter in einem westdeutschen Pornoschuppen, entdeckt sein absolutes Gehör und seine hohe Singstimme, die aber niemand hören will, und verdingt sich, wie einst seine Mutter, als Altenpfleger. Seinen Lebensabend verbringt Toto, mittlerweile 64 Jahre alt, einsam unter einer Brücke in einem verarmten Paris der Zukunft.
Schon zu Beginn des Romans fällt der Satz: „Das hält doch keiner aus“. Es ist nicht nur der Leitsatz dieser Geschichte über den endlosen Albtraum eines Menschenlebens, sondern auch Sibylle Bergs Kommentar zur Hölle Leben, in der wir uns ihrer Ansicht nach alle befinden.” - Die Presse
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Sibylle Berg: Der Mann schläft
“Ein Mann und eine Frau machen Urlaub auf einer kleinen Insel im Südchinesischen Meer. Nach einigen Tagen fährt der Mann mit der Fähre aufs Festland, um Zeitungen zu kaufen. Er kehrt nicht zurück. Anfragen bei der Polizei und in den Krankenhäusern bleiben ohne Erfolg. Er ist einfach verschwunden. Nach drei Monaten ist die Frau immer noch auf der Insel: „Abreisen, das wäre eine gezielte Aktion, das hieße Ticket buchen, ein Flugzeug besteigen, zurück in mein Leben und akzeptieren, dass ich wieder allein bin.“ Also läuft sie Tag für Tag über die mit Betonquadern ausgelegten Wege und starrt auf das graue Meer, während die Wellen die Erinnerungen an die gemeinsame Zeit mit dem Mann wie Treibholz an den Strand spülen. [...]
„Der Mann schläft“ ist mehr als nur die Geschichte von zwei Leuten, die das Glück suchen – und es tatsächlich finden. So klingt in der lakonischen Stimme der Erzählerin von Anfang an Panik mit. Bereits der ersten Umarmung wohnt eine leichte Hysterie inne, und wenn sie später seine Hand nimmt, dann verbirgt sich hinter der vermeintlich zärtlichen Geste in erster Linie die Angst vor der Einsamkeit. „Ich dachte, vielleicht verschwände er einfach“, erinnert sie sich später, als sie in China allein am wüsten Strand der kleinen Insel sitzt: „Darum musste ich ihn festhalten.“ Jetzt weiß sie, dass die Angst berechtigt war. Der Mann kehrt nicht zurück, warum auch immer, und das ist brutale Erkenntnis, die uns in diesem Roman mit alttestamentarischer Wucht um die Ohren geschlagen wird: „Alles kann dir genommen werden, dauernd. Wenn du dich wohl fühlst, wenn du vergisst, dass Leben Demütigung heißt, gerade dann kommt es und schlägt zu, der Tod, das Schicksal, Gott, das Böse.“
So schwarz hat Sibylle Berg noch nie gesehen, und sie war auch noch nie so konsequent. Diesmal gibt es keine Ausreden. Es ist nicht das leere Geschwätz auf den Partys, das uns das Leben zur Hölle macht, und auch nicht das Fernsehen, das Geld und das Feuilleton. Hier geht es um Einsamkeit, um Hoffnungslosigkeit, um Schmerz, und es gibt Stellen in diesem Buch, die einem das Herz zerreißen. Ein alter Chinese, den die Erzählerin auf der Insel kennenlernt, erklärt ihr, dass es früher das Schönste gewesen sei, wenn seine Frau und er am Abend gemeinsam zu Bett gegangen seien. Dann krempelt er eines Tages sein Hosenbein hoch und zeigt die Narben und frischen Wunden an seinem Bein. Seit seine Frau gestorben sei, fährt er fort, füge er sich jeden Tag mit einem Messer einen neuen Schnitt zu.” - FAZ
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Sibylle Berg: Die Fahrt
“Gunners Frau liegt seit zwei Tagen tot im Wohnzimmer. Eine nicht unproblematische Ehe hatten sie geführt, nun werden die Probleme nicht kleiner, doch hergeben will er sie nicht an die Bestatter. Wir sind in Reykjavík, wo die zufriedensten Menschen der Welt leben, weil Island am dünnsten besiedelt ist. Andere Länder, andere Sitten. Wir sind im neuen Roman von Sibylle Berg, und diese Einstiegsidylle um zwei, die sich immer an den Händen gehalten hatten, damit es warm blieb, ist das Präludium für ein globales Vielpersonen-Puzzle Schlimmer geht immer. Nur gehen müssen sie. Irgendwohin, Gunner und alle anderen auch.
Die Berg ruft wieder, betreibt ein bisschen Recycling in eigener Sache, denn viele der hier gekonnt verzurrten Geschichten waren schon als Kolumnen erschienen. Aus knapp achtzig Episoden schafft sie ihr Weltbild-Kaleidoskop. Wieder sind ein paar Leute unterwegs und suchen das Glück. Nur gelacht wird weniger. Der Spaß ist relativ, weil man jenseits der 40 ist. Deswegen reisen sie alle, suchen irgendwo irgendwas. Eine Idee, einen Guru oder die Liebe, also alles, was sich in der Grauzone von nicht mehr jung und noch nicht alt bestenfalls in Routine und oft in Lebensmüdigkeit aufgelöst hat.
Sie sitzen in Büros und klettern auf „Einsamkeitspyramiden”, haben die Welt der „Hormontsunamis” hinter sich und in sich eine existenzielle Langeweile. Die Männer haben genug Geld, Übergewicht und Depressionen. Die Frauen auch. Dazu kommen Zellulite und Waschzwang. Singles, Passanten. Parallelwelten. Leben richtet sich nach den Ladenöffnungszeiten. Das Einzige, was von den 68ern geblieben ist, sind Mülltrennung und Therapiewahn. Der Rest ist Reisen.
Die Welt ist klein geworden und es gibt kaum noch Grenzen, die einem seinen Platz zeigen. Die Heimat ist im Netz verschwunden. Also machen sie sich auf den Weg von reich nach arm und umgekehrt. Vielleicht wird man ja doch noch Teil von einem Ganzen? Olga wartet in Kirgisien auf einen Mann aus dem Westen. Maria war in fast allen Ländern, zu denen es einen „Lonely Planet” gibt. Miki findet, dass Pornografie keine Kunst mehr ist, seit Mann Viagra hat. Brian, der Nerd, hat in einer Computerzeitung eine Weltreise gewonnen und will nicht weg …
Einsame Planeten sind sie alle, und die Welt besteht zu 90 Prozent aus Dreck. Die Welt ist keine Schweiz, das erfahren sie von Tel Aviv bis Bombay. Sie hätten es vorher wissen können. Sibylle Berg erzählt gnadenlos und gut davon, wie alles mit allem zusammenhängt. Jede Figur hat mit ihr zu tun und sagt Dinge, die man sich anstreicht. an kann das Trägheitsgesetz überwinden, vorübergehend, sagt eine pessimistische Moralistin. Sie sagt es gut und scharf. Deshalb hören wir es und geben die Hoffnung nicht auf.” - NRZ
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Sibylle Berg: Habe ich dir eigentlich schon erzählt … – Ein Märchen für alle
“Habe ich dir eigentlich schon erzählt…” - so lässt uns auch der Untertitel wissen - ist ein Märchen für alle. Und: keine Angst, der Berg’sche Stil ist nicht verloren gegangen, er ist diesmal nur ein bisschen “jugendfreier”.
Anna und Max. Beide mehr oder weniger in Richtung 14ter Geburtstag unterwegs, und beide auf ihre eigene, einsame Art Einzelgänger. “Ich sehe mich immer von außen, wenn ich mit anderen bin, und werde ganz steif davon.” Sagt Anna. Und Max: “Ich bin recht normal, außer dass ich ab und zu mit Gegenständen rede.”
Eines schönen, grauen Nachmittags findet Max Annas Mutter betrunken-benommen auf der Straße liegend; so lernen sich die beiden kennen. Und haben nun endlich jemanden gefunden, mit dem das Reden und die Zweisamkeit funktioniert.
“Ich erzähle Anna, dass wir wegmüssen. Unbedingt und auf der Stelle, weil es Winter ist und weil alles so furchtbar nervt. Und sie muss mitkommen, weil sie auch nicht glücklich ist, und noch sechs Jahre bis zur Volljährigkeit in dem Elend, das hält doch keine Sau aus. (…) Aber ich muss gar nicht soviel reden. Nach ein paar Sätzen sagt Anna: O.K.”
Die abenteuerliche Flucht, die folgt, ist eine doppelte: Raus aus dem Kindsein und vorallem raus aus der DDR.” - ORF, FM4
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Sibylle Berg: Ende gut
“Die Heldin ist eine Frau jener Kategorie, die ihr Alter auf Partys, “zu denen einer keiner einlädt”, mit “so um die 40″ angibt. Sie lebt allein, die Jahre sind einfach so vorbei geplätschert: “Wenn man isst, schläft, keine Drogen nimmt, sich sauber hält und nicht weiter auffällt, dann passiert es einem so, das Leben.” In dem Bewusstsein, dass die Welt demnächst untergehen wird, lässt die Frau aber schließlich Besitz und alte Gewohnheiten hinter sich und macht sich auf die Suche nach dem, was so etwas wie eine heile Welt sein könnte.
Doch bevor sie ihr stilles Glück an der Seite eines Taubstummen findet, trifft sie auf ihrer Odyssee durch Städte und Bundesländer etliche Prototypen aus allen sozialen Schichten Deutschlands - Soldaten und Spekulanten, Ökofreaks, Professoren, Gummifetischisten, Hausfrauen und Möchtegernpopstars. Und je schneller sich alles um sie herum auflöst, was einmal in bester Ordnung schien, desto mehr befreit sich die Heldin aus Selbstmitleid und Lethargie. Sie sieht: “Wie schnell können Menschen kaputtgehen. Hast du nicht gesehen, können Beine und Arme fehlen.” Genau diese Botschaft will Berg unter die Leute bringen: “Jeder sollte das Ruder “rumreißen und es sich ein bisschen nett machen.”
Am Ende, man hält es kaum noch für möglich, kommt die Ich- Erzählerin ans Ziel: Irgendwo in Finnland findet sie zu sich, findet die Nähe eines Mannes und zum ersten Mal auch Heimat. Das ist ein bisschen kitschig, doch der Leser lechzt nach diesem Happyend, wurde er doch über viele Seiten auf Untergang eingestimmt.
Die gebürtige Weimarerin schreibt mit erfrischender Offenheit, haarscharfer Beobachtungsgabe und viel schwarzem Humor. Sibylle Berg gehört seit ihrem ersten großen Erfolg “Ein paar Leute suchen das Glück und lachen sich tot” zu den wenigen Autoren der jüngeren Generation, die sich mit der bundesdeutschen Wirklichkeit auseinandersetzen - und dabei auch noch amüsant bleiben. Man muss ihre Bücher nicht mögen, aber lesen sollte man sie.” - Handelsblatt
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Sibylle Berg: Das Unerfreuliche zuerst. Herrengeschichten
“Hingebungsvoll skizzieren die “Herrengeschichten” den totalen Männerblick auf jene trostlose Landschaft, die in der Berg-Welt Leben heißt. Das gilt für den Fließbandarbeiter, der ohne Liebe aufwuchs, über sich nur als “man” spricht und auf den Tod seiner Frau reagiert, indem er den Sessel ein Stück von der Leiche auf dem Teppichboden wegrückt und den Fernseher etwas lauter stellt. Oder für den schwulen Aussteiger, der in Kambodscha seinem Tadzio, einem bitterarmen Strichjungen, in den Slums von Phnom Penh hinterherläuft und verzweifelt feststellt, dass dieser ihn niemals lieben wird. Oder für das Kriegskind, Augenzeuge eines Massakers an der eigenen Familie, das sinnigerweise selbst Soldat wird und zu der traurigen Schlussfolgerung gelangt: “Keine Gefühle zu haben lässt sich schweigend am besten verwirklichen. So viel kann ich sagen.” Es gilt aber auch für den heiter biologistisch argumentierenden Sexmaniac, der Frauen gerade heraus als “eine warme Bettflasche mit feuchten Öffnungen” betrachtet. Und sogar für den netten jungen Mann im Regen, der der Frau seines Lebens begegnet und vor lauter Begeisterung über seine großen Gefühle gar nicht auf die Idee kommt, die Gute anzusprechen.
Der Mann als Täter ist im Grunde Opfer: des Testosterons, der Geschichte, des Kapitalismus, seines Milieus und der Träume, und als solches lässt Berg ihn sich auch darstellen, rechtfertigen, bemitleiden und anklagen, gerne auf den letzten Metern in die geistige und physische (Selbst-)Vernichtung.
Wer würde Sibylle Berg misstrauen wollen, was die Lauterkeit dieses fiktionalen Unternehmens betrifft? Hinter den “Herrengeschichten” steckt mindestens eine soziologische-juristische Grundannahme (in dubio pro reo), womöglich ernsthafte Feldforschung im virilen Subkontinent. Wie immer wacht über ihnen eine höhere moralische Warte, deren letzter Wille verborgen bleibt - vielleicht nur der höhnische Wunsch, Michel Houellebecq mitfühlend die Hand auf die Schulter zu legen. Es ist die achte Hand, die auch in keinem Frauenleben fehlen sollte.” - taz.de
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Sibylle Berg: Gold
“Alles drin für wenig Geld! So steht es zumindest auf einem Aufkleber zu lesen, den man auf das neue Buch von Sibylle Berg montiert hat, damit es zahlreiche Käufer finden möge. “Lies mich!” wäre auch ein netter Slogan gewesen, allerdings ein unnötiger. Denn Leser hat Sibylle Berg mehr, als ihr lieb sein dürften. Zumindest dann, wenn es um einige ihrer Kolumnen bzw. ihre journalistischen Aktivitäten geht, die jetzt in “Gold” (neben bisher unveröffentlichen Texten) versammelt sind. Als Beleg für diese treue Leserschaft hat Sibylle Berg in dem Sammelband ihre “Fanpost” aufgenommen. Und die liest sich dann beispielsweise so: “Wenn hier jemand erschossen gehört, sind Sie es, Frau Berg!” Die zwei “Annabelle”-Leserinnen wurden nur noch getoppt von einer Leserin, die sich “nach mehr als 25 Jahren ZEIT-Lektüre” und nach “längerer Beobachtung” der “Autorin” gezwungen sah, ihr Abo zu kündigen, “da die inhaltlichen und stilistischen Katastrophen der genannten Frau Berg auch durch noch so exzellente andere Artikel nicht mehr aufzuwiegen” wären.
Aber nicht nur die zwanghaften “Ich muss alles lesen und darüber Leserbriefe schreiben”-Leser nahmen übel. So sah sich der Suhrkamp Verlag außerstande, ihren Beitrag über “Faschismus” in die Anthologie “100 Wörter des Jahrhunderts” aufzunehmen. DM 500,- Ausfallhonorar gab es deshalb für einen Text, der angeblich nicht den Lese-Erwartungen entsprach. “Gold” tut dies jedoch auf jeder Seite.” - intro
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Sibylle Berg: Amerika
“Vier Leute suchen das Glück und verpassen ihr Leben. Raul will reich werden; denn wäre er Krösus, könnte er seine Jobs als Callboy oder Kellner aufgeben und in Amerika den großen Gatsby mimen. Karla, das Filmsternchen, war schon im gelobten Land, in Hollywood wollte sie Karriere machen. Doch anstatt nach “oben” ist sie so jämmerlich auf den Hund gekommen, dass ihr nur der Weg zurück nach Hause blieb; jetzt chargiert sie in billigen TV-Serien und hadert mit ihrem kleinen, grauen Dasein. Anna heult wegen Toni, ihrer verflossenen Urlaubsliebe in Los Angeles. Wäre der Märchenprinz bei ihr geblieben, müsste sie sich heute nicht von Rudi aushalten lassen. Der hässliche Bert schließlich, “der noch nie mit einer Frau Geschlechtsverkehr hatte”, setzt auf die Wunderwirkung einer Schönheitsoperation. Dabei aus Versehen vom Mann zur Frau transformiert, bleibt auch für ihn das Ersehnte unerreichbar. Vier Leute träumen vom Leben und stolpern ins Unglück. Vier Loser, allesamt schon bald vierzig, reflektieren ein generationsspezifisches Dilemma: akut in die Jahre zu kommen und die chronischen Illusionen nicht aus dem Kopf zu kriegen. Jene Wunschvorstellungen, die unentwegt die Erwartung nähren, es stünde einem noch etwas zu. Indes, die “Gefühle und Erlebnisse blieben kleiner als die Vorstellung von ihnen”. Glücklich, wer aus seiner Orientierungslosigkeit beizeiten eine Tugend zu machen versteht. Wer nicht (siehe oben), der muss bitter büßen. Denn Kaufrausch, Sex und Fernsehen können das frustrierte Bewusstsein ja immer nur vorübergehend ausknipsen. So viel hat der Leser nach 150 Seiten des temporeich inszenierten und drastisch-humoresk erzählten Episodenromans von Sibylle Berg begriffen.
Nach ihrem Debüt Ein paar Leute suchen das Glück und lachen sich tot (1997) sowie dem letztjährigen Splatterwerk Sex II ist dies bereits der dritte Roman, mit dem die 1962 geborene Autorin ihre fiktiven Altersgenossen in die Sinnwüste respektive auf den Horrortrip schickt. Und weil sie ihr narzistisch-larmoyantes Personal bisher am Ende jedes Mal so furios wie einfallslos zu meucheln pflegte, erwartet man nun den üblichen Showdown. Doch diesmal geschieht ein Wunder. Und es rettet nicht nur ihre Figuren.” - Zeit.de
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Sibylle Berg: Sex II
“Ich, 33. Normal schlechte Kindheit, normal aussehend, normal alleine, normal übersättigt. Ein ganz normales Arschloch.” Nein, heiter beginnt der Roman “Sex II” von Sibylle Berg nicht. Er geht auch nicht fröhlich weiter, und ein happy end gibt es schon gar nicht. 24 Stunden in einer Großstadt lässt die Autorin als alltäglichen Horror am Rande des Wahnsinns - oder mittendrin - erleben. Jedes Kapitel ist überschrieben mit einer Uhrzeit und einer Person. Außer “ich” betreten noch andere beklagenswerte Gestalten die stinkende, dreckige, verhasste Bühne der Stadt. Sie sind miteinander verbunden, streifen einander, ohne es zu merken, leben neben sich selbst und neben einander her, machen sich und anderen mehr oder weniger erfolgreich etwas vor. Sie haben Berufe und Probleme - alles wie im wirklichen Leben. Dass es sich - möglicherweise - sogar um “wirkliches Leben” handelt, gesehen durch eine rabenschwarze Brille von Gewalt, Tristesse und Einsamkeit, verursacht Unbehagen.[...]
Die Autorin schreibt mit bestechender Konsequenz von der Unmöglichkeit, glücklich zu sein. Von der Unmöglichkeit der Liebe. Und davon, dass Schönheit unmöglich ist. Und sie tut dies mit einer wunderschönen, glasklaren Sprache, in der jedes Komma einen Sinn hat, weil es die langen Sätze anders teilt als erwartet und ein Drüberhuschen vereitelt. Und sie schreibt ohne jede Sentimentalität. “Warum bin ich weggelaufen? JA, warum macht man solchen Mist. Weil es peinlich ist, jemanden anzustarren, das Herz in den Ohren, die Hände feucht, dann doch lieber weglaufen, sich ärgern. Und ich will, dass er wiederkommt. Die Wahrheit ist, dass wir alle unter unserm coolen Getue Romantiker sind, von großen Lieben träume und zu viel wissen. Dass es die nicht gibt, aber träumen ist doch erlaubt. Und jetzt werde ich traurig, und fühle mich richtig am Arsch. Scheiß doch auf die Liebe.” - literaturcafé
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Sibylle Berg: Ein paar Leute suchen das Glück und lachen sich tot
“Das vielzählige Personeninventar in Bergs Debütroman entstammt allesamt dem gewöhnlichen Horrorkabinett des urbanen Single. Tragische Figuren, um die dreißig zumeist, deren feinsäuberlich kultivierten Macken teilweise schon ins Pathologische hineinreichen. Sie sind egoistisch, narzißtisch, liebes- bzw. beziehungsunfähig, magersüchtig, frigid und bisweilen hochgradig suizidgefährdet. Am schlimmsten ist jedoch die Einsamkeit, das Alleinsein, hier ist der Leidensdruck am größten. Um die (Sehn-)Sucht nach Liebe und Glück - die in den beschriebenen Formen nicht mehr ist als die billige Selbstbestätigung des angeknacksten Egos - zu befriedigen, genügt die rauschhafte Triebabfuhr im one-night-stand, gleichgültig mit wem und zu welchem Preis.
Es zählt einzig das Gefühl, die Einsamkeit für einen Moment überlistet zu haben. Der Ekel am Morgen danach wird so billigend in Kauf genommen wie der Brummschädel nach dem Suff. Obgleich die Suche nach einer festen Bindung, einem Menschen, der für einen da ist, wenn man ihn braucht, die treibende Kraft aller Protagonisten ist, bleibt die diffuse Furcht vor Nähe und Zweisamkeit: “Ein Paar kann zusammen essen gehen. Ins Kino gehen, Geschlechtsverkehr haben, Freunde besuchen, um mit denen auch was zu essen oder ins Kino zu gehen. Geschlechtsverkehr seltener. Irgendwann läuft es immer darauf raus, daß ein Paar zusammen im Bett liegt und fernsieht. Als Paar ist man noch ungnädiger der Langeweile gegenüber. Kann sich einreden, die Langeweile strömt vom Partner ab.” Und genau in diesem Mißverständnis ist der Grund zu suchen, weshalb es am Ende des Buches nicht nur einmal zur Katastrophe kommt.” - intro
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